Hausaufgaben
Bildung ist wesentlicher Bestandteil der Gesellschaft. „Der Begriff Bildung bezieht sich sowohl auf den Prozess (sich bilden) als auch auf den
Zustand (gebildet sein)“.
Bereits Jean Piaget (1896-1980) beschäftigte sich mit der Theorie des „genetischen Lernens“. Er sagt, dass Kinder die vier Entwicklungsstufen
nacheinander durchlaufen müssen, um kognitive Entwicklung und menschliches Wissen zu erlangen. Grundbaustein dieses menschlichen
Wissens sind nach ihm die Schemata, wonach organisierte Wissens- und Verhaltensmuster miteinander vernetzt und so in einen individuell
logischen Zusammenhang gebracht werden. Die Schemata werden bewahrt und erweitert durch die Assimilation (Eingliederung neuer
Erfahrungen in bereits bestehende Schemata) und die Akkommodation (Erweiterung bzw. Anpassung neuer Schemata). Das Resultat des
Wechselspiels dieser beiden Prozesse ist laut Piaget die kognitive Entwicklung, die sich durch das gesamte Leben zieht. Wichtig ist hierbei, den
Kindern und Jugendlichen möglichst viele Materialien und Problemsituationen zu bieten, damit sie sich aktiv und selbstständig mit der Umwelt
auseinander setzen dürfen und können.
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„Piaget betrachtet Intelligenz als besonderen Fall biologischer Anpassung“.
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Bildung unterteilt sich in unterschiedliche Bereiche, unter Anderem in die schulische Bildung. Dieser wird in der Tagesgruppe besondere
Aufmerksamkeit zugeteilt. Konfrontiert werden wir dabei neben den Anforderungen der eigentlichen Hausaufgaben mit Themen wie ADHS,
Lernstörungen, Sozialverhalten, Wahrnehmung, Ressourcen, Motorik, Kognition, Partizipation, etc.
Vorrangig wird Bildung aber mit Schule in Verbindung gebracht und die Systeme Elternhaus und Tagesgruppe wirken ergänzend auf die
Erfüllung des Bildungsauftrages. Dies bildet die Schnittstelle der drei Systeme, die in Form von guter Zusammenarbeit, engem Austausch und
den Fokus auf das Kind/ den Jugendlichen gerichtet, positiv auf die Entwicklung des Kindes und Jugendlichen im Bereich Bildung einwirkt.
Schwerpunkt unserer Arbeit, bezogen auf dieses Themengebiet, liegt in der Reduzierung von Defiziten, Erkennung und Stärkung von
Ressourcen, Förderung der Wahrnehmungsbereiche und der produktiven Nutzung von Techniken und Methoden. Der differenzialdiagnostische
Blick ermöglicht den Pädagogen, Ressourcen, Fähig- und Fertigkeiten und Defizite zu erkennen und zeitnah und zielorientiert zu agieren.
Das Thema Hausaufgaben bringt in vielen Familien ein großes Konfliktpotenzial mit sich. Streit unter den Geschwistern, fehlende adäquate
Räumlichkeiten, Überforderung der Eltern mit den Anforderungen der Hausaufgaben und fehlende Strukturen beeinflussen den Lernprozess
negativ. In solchen Situationen wird die gesamte Familie dadurch entlastet, dass die konfliktbehaftete Situation vorrübergehend aus dem
häuslichen Umfeld genommen wird. Innerhalb der Tagesgruppe lernt das Kind, neben den kognitiven Anforderungen an die Hausaufgaben,
selbst ein Zeit- und Selbstmanagement für die Erstellung der Hausaufgaben zu entwickeln. Parallel dazu sollen die Eltern die Rahmenbedingen
im häuslichen Umfeld mit Hilfe der Pädagogen so verändern, dass die Hausaufgabensituation auf Dauer in die Familie zurückgetragen werden
kann.
Um oben genannte Faktoren in eine positive Richtung zu lenken, bietet die Tagesgruppe diverse Rahmenbedingen und Strukturen. Eine große
Anzahl an Räumlichkeiten, in denen die Kinder die nötige Ruhe finden, stets die Möglichkeit einer 1:1-Betreuung oder die Arbeit in Kleingruppen
und der regelmäßige Austausch mit den jeweiligen Lehrkräften bilden den Kern dieser Bedingungen. Hinzu kommt neben der pädagogischen
Ausbildung der Betreuer, das zur Verfügung stehende Fördermaterial (Nikita Lernprogramm, Maria Montessori Lernmaterial), was den Kindern
und Jugendlichen individuelle Lernmöglichkeiten bietet.
Weitere Aspekte, die ebenfalls Platz in den Hausaufgabensituationen finden, sind die Gruppendynamik und das Sozialverhalten. Die Kinder und
Jugendlichen müssen besonders während der Hausaufgabensituation Rücksicht aufeinander nehmen und sich im selben Raum arrangieren,
was bestimmte soziale Kompetenzen erfordert. Hierbei geht es zum Beispiel darum, die nötige Ruhe einzuhalten, sich gegenseitig nicht
abzulenken und Hilfen adäquat einzufordern. Des Weiteren kommt den Kindern/Jugendlichen die Gruppendynamik unterstützend entgegen.
Animiert davon, möglicherweise schneller spielen zu wollen oder nachmittags eine Verabredung zu haben, motivieren und unterstützen sich die
Kinder gegenseitig bei der Fertigstellung ihrer Hausaufgaben. Die Kinder lernen, dass Hausaufgaben unabdingbar und notwendig zur Festigung
des Wissens sind.
Eine von Vertrauen geprägte Beziehung zwischen dem Kind/Jugendlichen und dem Betreuer, Kontinuität und feste Strukturen sind Basis dieser
Förderung. Um die Motivation des Kindes/Jugendlichen zurück zu holen und aufrecht zu erhalten, schaffen die Betreuer mit Hilfe von
Belohnungssystemen, Unterstützungen und positiven Beziehungen, Erfolgserlebnisse, mit dem Ziel einer guten Bildung, die Grundlage im
Leben des jungen Menschen sein muss.
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Vgl.: Uni Duisburg (2), 2012
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Uni Duisburg (3), 2012